Verbesserung der Pflegequalität
„Strukturierte Führung stärkt Qualität, Vertrauen und Teamkultur in der Pflege“
„Diese Diplomarbeit zeigt, wie durch klare Führungsstrukturen und gezielte Kommunikation die Pflegequalität im Wohn- und Pflegeheim St. Niklaus nachhaltig verbessert werden kann.“
Ausgangslage
Im Wohn- und Pflegeheim St. Niklaus zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: unklare Rollen, lückenhafte Übergaben und unterschiedliche Vorgehensweisen führten zu Fehlern und Frust. Informationen gingen verloren, Entscheidungen wurden doppelt gefällt oder blieben offen, und Verantwortlichkeiten waren unklar. Die anonyme Mitarbeitendenumfrage zeigte deutliche Defizite in der Kommunikation und der Führungsstruktur. Die daraus entstehende Unsicherheit wirkte sich negativ auf die Pflegequalität und das Teamklima aus.
Vorgehen
Ich folgte dem TEKO-Vorgehensmodell mit Analyse, Planung, Realisierung und Evaluation und baute darauf ein praxistaugliches Konzept auf. Zunächst wurden die internen Abläufe systematisch untersucht: Dokumente wurden ausgewertet, Mitarbeitende befragt und Arbeitsabläufe beobachtet. In einer Brainwriting‑Session sammelten wir über hundert Ideen zur Verbesserung. Anschliessend wurden diese Ideen anhand einer Impact/Effort‑Matrix und der MoSCoW‑Methode bewertet, um zu fokussieren. Mithilfe von Präferenz‑ und Nutzwertanalysen identifizierten wir die überzeugendste Lösung. Daraus entstand das Konzept „Führung und Teamkommunikation als System“. Dieses Konzept definiert klare Rollen und Verantwortlichkeiten, führt standardisierte Übergabe‑ und Rapportformate ein, verankert regelmässige Team‑ und Feedbackgespräche und sorgt für eine strukturierte Einarbeitung neuer Mitarbeitender. Ergänzt wird dies durch ein einfaches Qualitätsdashboard, das Schlüsselkennzahlen wie Übergabequalität, Dokumentationsvollständigkeit, Sturzrate und Zufriedenheit sichtbar macht. In enger Zusammenarbeit mit der Pflegedienstleitung und dem Team wurden Schulungen durchgeführt und die neuen Abläufe schrittweise eingeführt, um die Mitarbeitenden mitzunehmen.
Ergebnisse
Bereits nach wenigen Wochen waren erste Erfolge spürbar. Die Übergaben verliefen klar strukturiert, wodurch weniger Informationen verloren gingen und sich die Abläufe verkürzten. Die klaren Verantwortlichkeiten reduzierten Rückfragen und erhöhten die Sicherheit der Mitarbeitenden. Im Team herrschte eine offenere und respektvollere Atmosphäre, weil Feedbackgespräche und regelmässige Kurzrapporte klar definiert waren. Kennzahlen wie die Dokumentationsqualität verbesserten sich messbar, und Fehlübertragungen traten deutlich seltener auf. Die Massnahmen waren wirtschaftlich: Der Hauptaufwand entstand durch Schulungszeit und Besprechungen, brachte aber langfristig Effizienzgewinne, da weniger Fehler korrigiert werden mussten.
Weg zum Ziel
- Der Weg zur Umsetzung war strukturiert und klar getaktet. In Workshops wurden Ziele definiert und in Etappen festgelegt.
- So konnten wir zunächst die wichtigsten „Quick Wins“ wie strukturierte Übergaben und eine Rollenmatrix umsetzen, bevor das Kommunikationssystem und das Qualitätsdashboard eingeführt wurden.
- Jeder Meilenstein baute auf dem vorhergehenden auf und wurde mit dem Team rückgekoppelt.
Besondere Herausforderungen
- Zeitdruck im Alltag: Die Implementierung musste neben dem Tagesgeschäft laufen. Kurze, gut vorbereitete Schulungseinheiten halfen, den Aufwand zu minimieren.
- Akzeptanz im Team: Einige Mitarbeitende fürchteten zusätzliche Bürokratie. Kleinere „Quick Wins“ wie verkürzte Übergabezeiten überzeugten sie von den Vorteilen.
- Unterschiedliche Motivation: Engagierte Teammitglieder brachten wertvolle Ideen ein, andere blieben skeptisch. Regelmässige Kommunikation und Einbezug aller half, die unterschiedlichen Haltungen zu überwinden.
Weiteres Vorgehen und Umsetzung in der Praxis
Die neuen Strukturen schaffen eine solide Grundlage, auf der das Heim weiter aufbauen kann. Entscheidend ist, dass die definierten Abläufe konsequent eingehalten werden und die Kennzahlen im Qualitätsdashboard regelmässig überprüft werden. So kann bei Bedarf nachjustiert und das System gegebenenfalls auf andere Bereiche des Heims übertragen werden. Eine Evaluation des Schulungs- und Coachingmaterials mit der Heimleitung ist für November 2025 vorgesehen, um die Erfahrungen aus der Praxis zu nutzen und die Unterlagen gezielt weiterzuentwickeln. Langfristig soll das Konzept im gesamten Wohn- und Pflegeheim verankert werden, um eine nachhaltige Qualitätskultur zu fördern.
Lessons learned
Die Arbeit hat gezeigt, dass Qualität in der Pflege dort entsteht, wo klare Prozesse mit wertschätzender Führung verbunden werden. Schon kleine, aber regelmässige Massnahmen können die Transparenz und Zusammenarbeit deutlich verbessern. Mitarbeitende müssen früh einbezogen werden und die Vorteile erkennen, sonst blockieren Skepsis und Zeitdruck den Fortschritt. Um nachhaltig Wirkung zu erzielen, braucht es konsequentes Dranbleiben, regelmässige Reflexion und die Bereitschaft, den eingeschlagenen Weg kontinuierlich zu überprüfen und zu verbessern.

Jaasmimalar Jegathas
Selbst ist die Frau – mit diesem Anspruch gestalte ich meine Laufbahn. Nach meiner Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit sammelte ich in verschiedenen Einrichtungen Erfahrung und leite heute als Wohngruppenleitung ein engagiertes Team.
jaasmijegathas@gmail.com
+41 76 465 18 16



