Steigerung der Marktposition des Unternehmens durch erweiterten Bestellschluss
Ein hybrides Logistikmodell als Antwort auf steigende Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse
Mit dem Neubau des modernen Logistikzentrums in Villmergen ergab sich für PostLogistics die Möglichkeit, bestehende Prozesse neu zu denken, insbesondere im Hinblick auf eine potenzielle Erweiterung des Bestellschlusses bis 20:00 Uhr. Täglich treffen rund 300 Kundenaufträge nach dem bisherigen Bestellschluss ein, wodurch deren Bearbeitung erst am Folgetag erfolgen kann. Diese Situation bietet aus logistischer Sicht ein wertvolles Optimierungspotenzial, um den wachsenden Marktanforderungen und Kundenbedürfnissen noch besser gerecht zu werden. Ziel dieser Diplomarbeit war es daher, ein realisierbares Konzept zu entwickeln, das aufzeigt, wie ein späterer Bestellschluss wirtschaftlich, organisatorisch und technologisch umsetzbar wäre.
Ausgangslage
Mit dem Neubau des Logistikzentrums in Villmergen, welches von 20`000m2 Lagerfläche auf 60`000m2 erweitert wurde, entstand für PostLogistics die Möglichkeit, interne Abläufe zu optimieren und flexibler auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Aktuell liegt der Bestellschluss je nach Kunde zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Da täglich rund 300 Aufträge nach dieser Zeit eintreffen und erst am nächsten Tag bearbeitet werden können, besteht hier ein Verbesserungspotenzial.
Vorgehen
Zur Erarbeitung einer geeigneten Lösung wurden drei Varianten entwickelt:
- 2-Schichtmodell
- Abendschicht
- Hybridmodell
Diese wurden anhand einer Präferenzmatrix und einer Nutzwertanalyse systematisch bewertet. Ergänzend dazu erfolgte eine Konkurrenzanalyse, um branchenspezifische Ansätze und Servicezeiten zu vergleichen. In die Bewertung der Varianten flossen z.B. Investitions- und Betriebskosten, Personalbedarf sowie auch Automatisierungspotenzial.
Ergebnisse
Die Analyse zeigte, dass das sogenannte Hybridmodell die sinnvollste Lösung darstellt. Kunden übermitteln ihre Aufträge bis 20:00 Uhr digital über eine EDI-Schnittstelle. Im Unternehmen wird mit einer reduzierten Abendschicht und einem Pikett-Dienst gearbeitet. Das Modell reduziert manuelle Aufwände, senkt Fehlerquoten und steigert die Effizienz. Laut Kosten-Nutzen-Rechnung würde sich die Investition bereits im ersten Jahr amortisieren, bei einem ROI von 129%.
Ausblick
Empfohlen wird eine schrittweise Einführung ab 2026 mit Pilotkunden. In weiteren Schritten sollen Prozesse angepasst, Schnittstellen ausgebaut und Mitarbeitende geschult werden. Langfristig kann das Konzept auf andere Standorte übertragen werden und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur digitalen und strategischen Weiterentwicklung von PostLogistics.
Reflexion und Ausblick
Die Erarbeitung dieser Diplomarbeit war nicht nur fachlich herausfordernd, sondern auch persönlich bereichernd. Besonders motivierend war der direkte Bezug zur Praxis, da das Thema eng mit meinem Arbeitsalltag im Kundenmanagement verknüpft ist. Ich konnte vorhandenes Wissen gezielt nutzen und weiterentwickeln. Durch den Austausch mit verschiedenen Abteilungen erhielt ich wertvolle Einblicke und konnte ein Konzept erarbeiten, das sowohl wirtschaftlich als auch realistisch umsetzbar ist.
Während der Projektarbeit lernte ich, wie wichtig strukturierte Planung, klare Kommunikation und Flexibilität im Umgang mit unerwarteten Situationen sind. Auch der Umgang mit Methoden wie der Kosten-Nutzen-Analyse und der Nutzwertanalyse hat mein wirtschaftliches Denken erweitert. Besonders lehrreich war es, theoretische Modelle mit den praktischen Anforderungen im Unternehmen abzugleichen und daraus konkrete Lösungen abzuleiten.
Der Blick in die Zukunft zeigt, dass das Potenzial des erarbeiteten Hybridmodells noch nicht ausgeschöpft ist. Eine mögliche Skalierung auf weitere Kunden, ein erweitertes Kundenportal sowie Optimierungen in der Lagerlogistik bieten spannende Perspektiven. Auch das Verhalten der Kunden nach einem späteren Bestellschluss könnte interessante Erkenntnisse liefern. Insgesamt war diese Arbeit eine wertvolle Erfahrung, die mir nicht nur fachlich, sondern auch persönlich viel mitgegeben hat und mir in meiner weiteren beruflichen Laufbahn sicher nützen wird.

Afmet Nuredini
Aktuell arbeite ich im Kundenmanagement bei PostLogistics in Villmergen, wo ich Geschäftskunden betreue, die operative Beschaffung koordiniere und für Auftragsabwicklung, Abrechnung und Reklamationen zuständig bin. Mein Knowhow liegt in der Verbindung von praktischer Logistikerfahrung mit kaufmännischem Denken, von der Lagerlogistik über Prozesskenntnisse bis hin zur Kundenkommunikation. Zurzeit befinde ich mich in der Weiterbildung zum Dipl. Betriebswirtschafter HF.
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