Dipl. Prozesstechniker/in HF

Werterhaltende Massnahmen

Sortieranlage Dock E des Flughafens Zürich

Seit dem 14. Juni 1948 bildet der Flughafen Zürich für die Schweiz das Tor zur Welt. Der Bau auf dem ehemaligen Waffenplatz der Schweizer Armee nahm rund zwei Jahre in Anspruch, ehe der Betrieb aufgenommen werden konnten. Stetige Erneuerungen und Ausbauten machten ihn zu einem der grössten Interkontinentalflughäfen Europas. Gegenwärtig zählt der Flughafen mit dem Kürzel “ZRH” rund 32 Millionen Passagiere jährlich. Das Krisenjahr 2020 wurde dabei nicht berücksichtigt, da waren es gerade mal acht Millionen. Die Konzession für den Betrieb des rund 880ha grossen Areals hält die Flughafen Zürich AG kurz, FZAG. Die seit dem 1. April 2000 existierende FZAG bekam die Konzession zum Betrieb des Flughafens und deren Infrastruktur vom Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Diese ist für 50 Jahre vorgesehen und läuft im Jahre 2051 aus. Rund 1700 Mitarbeiter (Stand Feb. 2020) kümmern sich um den reibungslosen Betrieb des Flugverkehres und deren Infrastruktur.

27. Oktober 2021
Cyrill Brauchli

Das Management Summary dient der Entscheidungsperson als Zusammenfassung der gesamten Arbeit. Zudem erfüllt es den Zweck der schnellen und einfachen Entscheidungsfindung, da die Führungskraft oft keine Zeit hat, die ganze Arbeit zu studieren. 

Worum geht es?

Der Bau der neuen Gepäcksortieranlage am Flughafen Zürich soll verschoben werden. Es handelt sich dabei um den Anlageteil im Satellitendock E. Der früheste Termin für den Beginn des Projektes ist 2032. Es gilt nun auf möglichst ökonomische Art und Weise eine Entscheidung zu fällen, mit welcher die Zeitspanne von gut 10 Jahren überbrückt werden kann.
Warum braucht es einen Entscheid?
Motoren, Bänder und Elektronik sind bereits 20 Jahre in Betrieb. Die Komponenten kommen ans Ende ihrer Lebensdauer. Folge davon sind häufige Störungen und längere Ausfälle der Anlage. Für den allgemeinen Betrieb wirkt sich das vor allem auf eine reduzierte Qualität aus. Immer mehr Gepäck kommt zu spät oder sogar nicht zum Kunden, da die Anlage ausfiel.
Ziel der Entscheidung
Durch eine finanzielle Investition soll die Verzögerung des Neubaus überbrückt werden. Als grosse Schwachstelle wurde bereits in einem vorherigen Bericht des Wartungspersonals die Wagenverbinder eruiert. Sie sollen durch die notwenigen Arbeiten fit für weitere Jahre sein und somit den Zeitraum bis zum Start des Neubaus ausfüllen.
Welcher Entscheid ist zu treffen?
Es wurden drei Varianten ausgearbeitet. Es ist nun zu entscheiden, welche Variante aus wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten die Beste ist.
Die Varianten:
1. Die erste Variante sieht eine verstärkte Wartung vor. Vermehrte Rundgänge, erhöhte Wartungsintervalle und verstärkte Kontrollen. Diese Option ist sehr einfach in den Betrieb zu integrieren und verschlingt keine grossen finanziellen Ressourcen auf einmal. Die Gesamtkosten auf 10 Jahre sind aber unmöglich abzuschätzen. Zudem sind Störungen immer noch möglich, da auch durch regelmässige Kontrollen nicht alle Fehler beseitigt werden können. Durch monatliche Materialtests wird das Risiko aber deutlich reduziert.
2. Eine weitere Option bietet sich im Bereich Industrie 4.0 an. Faseroptische Sensoren und 3D Messinstrumente sorgen für eine zuverlässige und schnelle Überwachung. Die Sensoren arbeiten während des Betriebes und stören diesen dadurch nicht. Das Material ist durch diese Variante 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche unter Kontrolle. Ermüdung der Verbinder werden dadurch frühzeitig erkannt. Der Nachteil liegt darin, dass das Problem der schwachen Verbinder nicht gelöst wird. Durch die Überwachung kann lediglich erfasst werden, wenn etwas nicht gut ist. Einen Austausch ist dann trotzdem noch notwendig. Zudem ist die Installation der modernen Technik in einer alten Anlage mit Komplikationen verbunden.
3. Die dritte und letzte Alternative sieht einen Austausch aller Verbinder vor. Die schweizerische Post hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit komplett neuen Verbindern wird die Gefahr eines Crashes quasi eliminiert. Die hohe finanzielle Belastung in einem kurzen Zeitraum wird sich auf die 10 Jahre Betriebszeit stark abschwächen. Anders als bei der “Wartungsoption” sind hier die Kosten sehr genau abschätzbar. Das Manko an der Variante ist, dass der Austausch über Wochen in der Nacht erfolgen muss. Der zeitliche Aufwand ist sehr gross, daher ist ein Einbau während des laufenden Betriebs unmöglich.
Beurteilungskriterien
Die Beurteilung der drei Optionen fand über diverse Kriterien statt, die nach Priorität und Anspruch des Flughafens eingeteilt wurden.
Der Wichtigkeit nach sind dies:
Umsetzbarkeit, Kosten, Akzeptanz, Realisierung, externe Erfahrungen, Integration in den Betrieb und die Dauer der Umsetzung.
Die Bewertung aller Varianten fand mit einer Risikoanalyse statt.
Empfehlung:
Nach der Zusammenfassung aller Fakten und Informationen kommt der Bericht zum Schluss, dass ein Austausch aller Verbinder die ökonomischste und effektivste Option bildet. Es wird daher die dritte und letzte Option empfohlen.

Portrait

Cyrill Brauchli

Leiter Instandhaltung Sortierung. Seit 2015 angestellt bei der Flughafen Zürich AG.


cyrillbrauchli@gmail.com


+41 76 356 74 42


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