Umbau-/Erweiterung eines Gewerbegebäudes
in eine zu definierende Wohnform
An der Bettlachstrasse 140B, in Grenchen SO soll anhand einer vorgängig erstellten Marktanalyse eine geeignete Wohnform ermittelt werden. Ursprünglich als Quartierhaus erstellt, wurde die Liegenschaft mehrfach erweitert und zum Gewerbegebäude umgenutzt. Das Studienobjekt besteht aus zwei unterschiedlich hohen Gebäudekuben, die in einem T angeordnet sind. Das Objekt steht bereits längere Zeit leer und ist mehrheitlich in einem desolaten Zustand. Die statische Struktur (Skelettbauweise) ist grundsätzlich gut erhalten und optisch sehr interessant. Das Ausnützungspotenzial ist durch die Grünziffer und die bereits bestehenden Strukturen begrenzt. Es ist ausschliesslich eine Wohnnutzung (Vermietung) und somit eine Renditeliegenschaft zu planen. In Anbetracht der Energiekrise und dem damit drohenden Strommangel, soll die Liegenschaft möglichst energie-autark erstellt werden.
Entwurf
Grundkonzept
Aus dem vorgegebenen Raster entstehen neue Wohnungen im 2.5- und 4.5-Zimmerbereich. Der Bestand wird aus statischer sowie aus optischer Sicht grösstenteils erhalten und unter den gesetzlichen Vorschriften aufgestockt und/oderangebaut.
Untergeschoss
Die bisherige Einfahrt wird unter Berücksichtigung der VSS-Normen wiederverwendet. Damit in der Einstellhalle Platz für acht Autos ist, wird im östlichen Teil das Untergeschoss erweitert. Im westlichen Teil sind die Kellerräume der Wohnungen angedacht. Der bestehende Liftschacht sowie die Liftgrube werden grösstenteils wiederverwendet. Um eine auf die Wohnform optimal abgestimmte Erschliessung zu erreichen, wird ein Teilbereich des nichtunterkellerten Teils erweitert und neu genutzt.
Vollgeschosse | Attikageschoss
Um der bestehenden und interessanten Struktur gerecht werden zu können, wurde bei den Innenräumen gezielt das bestehende Stützen- und Trägerraster beibehalten. Sämtliche Wohn- und Essräume sind südwestlich orientiert und sorgen für ein lichtdurchflutetes Wohngefühl. Jede Wohnung verfügt über zwei Nasszellen inkl. Waschmaschine und Tumbler. Die Aufstockung im Längsbau wird in Holz-Elementbau ausgeführt und übernimmt die bestehende Skelett-Struktur vom unteren Geschoss. Der Kopfbau wird mit einem BGF-freien Attikageschoss ergänzt. Eine mit Weitblick und dreiseitiger Terrasse ausgestattete 4.5-Zimmerwohnung bildet den Abschluss der acht Einheiten.
Aussenraum
Jede Wohnung verfügt mindestens über eine süd- oder west-orientierte Loggia. Die beiden Erdgeschoss-Wohnungen im Längsbau gelangen über eine Begegnungszone zu ihren Hauseingängen und Vorplatz-Bereichen. Im Obergeschoss soll eine Dachterrasse entstehen, welche für urban gardening genutzt werden kann. Um dem Grünziffer-Anteil (40%) in der Umgebungsfläche gerecht werden zu können, wird die Pergola zudem als Gemeinschaftraum und Treffpunkt für Jung und Alt genutzt. Hochbeete können von den Bewohnern individuell bepflanzt werden. Tische und Bänke laden zum Verweilen ein.
Konstruktion | Fassade
Die Auswahl der Konstruktion und der Materialien erfolgte unter Berücksichtigung der Lebensdauer sowie des Unterhaltes. Langfristigkeit und Nachhaltigkeit waren diesbezüglich ebenfalls von grosser Bedeutung. Die Fassade wird mit zwei verschiedenen Fassadenplatten aus Faserzement ausgeführt. Das nachhaltige Produkt überzeugt vor allem in Sachen Langlebigkeit und geringem Unterhalt. Das dahinterliegende Holzelement wird mit Steinwolle ausgedämmt. Zusätzlich minimiert eine Weichfaserplatte die Wärmebrücken im Bereich der Elementtrennungen, verbessert den Schallschutz und verfügt über eine hervorragende Wärmespeicherkapazität, sowie einen guten sommerlichen Hitze- und winterlichen Kälteschutz.
Energie-Konzept
Aufgrund des drohenden Strommangels soll die Liegenschaft einen möglichst hohen Deckungsgrad des Eigenverbrauches aufweisen. Aus der Aufgabenstellung heraus, habe ich mich schlussendlich für eine Wärmepumpe mittels Erdsonden entschieden, da sich diese ideal mit der geplanten Photovoltaik-Anlage und somit einer möglichst strom-autarken Lösung kombinieren lässt. Eine der drei PV-Anlagen wird gleichzeitig auch als Pergoladach genutzt. Da davon ausgegangen werden darf, dass im optimalen Fall etwas mehr Strom produziert werden kann als effektiv gebraucht wird, wird zusätzlich ein Batteriespeicher eingebaut.
Kosten | Rendite
Die Gesamtkosten inkl. dem heutigen Wert belaufen sich auf ca. CHF 5.26 Millionen inkl. MwSt. Die Investitionskosten ohne Land sind mit ca. CHF 3.81 Millionen berechnet. Durch die Wahl von unterhaltsarmen Materialien und möglichst grosszyklisch wiederkehrenden Erneuerung wird eine Nettorendite von 2.49% erreicht.
Farb- und Materialkonzept
Für die Auswahl der jeweiligen Substanzen wurde die Lebensdauertabelle vom HEV Schweiz verwendet. Die Fassade wird mit zwei verschiedenen Farben und Formaten aus Faserzementplatten ausgeführt. Die Fensterstreifen werden in grossformatigen Platten in Zartgrün und die Brüstung-/Sturzstreifen in Brettformaten in Schneeweiss erstellt. Die Farben Grün, weiss und Anthrazit werden von der Fassade auch in das Innenkonzept übernommen und sorgen für ein gesamtheitlich durchdachtes Farb-/Materialkonzept in der gesamten Überbauung.
Fazit
Das erarbeitete Projekt überzeugt durch die attraktive, gesamtheitliche Gestaltung, der möglichst hohen Eigenstromdeckung und den interessanten Grundrissen. Es kann aufgrund der vorgängig getätigten Standort- und Marktanalyse davon ausgegangen werden, dass sich das Objekt im Vermietungsmarkt positionieren lässt. Im KV wurden zudem zahlreiche Optionen und Alternativen aufgezeigt, welche es dem Bauherrn offenlassen, das Objekt jederzeit nachhaltig aufzurüsten und zu optimieren.

Flavio Fahrni
Zeichner EFZ Fachrichtung Architektur | Sachbearbeiter in Immobilienvermarktung SVIT
flavio.fahrni@bluewin.ch
079 266 94 56
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