Anton Niederberger, dipl. Ing. FH,
Managing Director
Niederberger Engineering AG
in Oberdorf/NF,
Dozent an der TEKO Luzern,
www.niederberger-engineering.ch
Herr Niederberger, könnten Sie uns Ihre Firma kurz vorstellen?
Die Firma Niederberger Engineering AG habe ich 1991 als Einzelunternehmung gegründet. Heute sind wir sechs Mitarbeiter
(Ingenieure und Techniker). Ein Schwerpunkt unserer Firma bildet die Fördertechnik. Wir realisieren im Bereich
Industriedienstleistungen alle anspruchsvollen Engineeringaufgaben, von der Ideenskizze bis hin zu mechatronischen
Sondersystemen mit modernsten 3DCAD-Tools. Entwicklung, Konstruktion, CAD-Modellierung für Vorrichtungen
und Systeme im Bereich Sondermaschinen und Apparatebau, inkl. FEM-Analysen, Sicherheitsnachweise/Optimierungen:
Vom kleinen Kunststoffgehäuse über Kran- und Stahlbau, Seilbahn- und Grossapparatebau bis zu den weltgrössten
Hochregalbediengeräten (RBG).
Seit wann sind Sie Dozent an der TEKO Luzern?
Seit 17 Jahren. Angefangen habe ich mit der Festigkeitslehre. Heute doziere ich PPS (Produktionsplanungs- und
Steuerungssystem) und Prozesstechnologie in den Ausbildungen Betriebstechniker HF und Maschinentechniker HF.
Was hat sich in Ihrem Bereich der Erwachsenenbildung über die Jahre verändert?
Leider, leider vielfach der „Rucksack“ der Studenten. Dabei meine ich Allgemeinbildung
und fachliches Wissen. Ich stelle fest, dass diesbezüglich immer mehr Studenten über Defizite verfügen.
Bei vielen heutigen Studenten vermisse ich ebenfalls eine gute Portion „positive
Verbissenheit“ für die Technik. Dies liegt wohl daran, dass die jüngere Generation
sich mehr von der Informatik und Kommunikationstechnik angezogen fühlt. Als Optimist hoffe ich aber, dass wir es
trotzdem schaffen, in Zukunft mit viel Know-how international in der allgemeinen Technik weiterhin dabei zu sein.
Dies ist auch meine Motivation, Wissen und Erfahrung motivierten Jungen weiterzugeben.
Was halten Sie von den modernen Hilfsmitteln im Unterricht?
Da meinen Sie wohl hauptsächlich die Power-Point-Präsentationen. Als Unterstützung zum übrigen Unterricht finde
ich sie gut. Der Vorteil liegt sicher darin, dass man freier reden kann. Wenn der Unterricht aber hauptsächlich aus
Power-Point-Präsentationen besteht, betrachte ich es als oberflächlichen Frontalunterricht. Bei der höheren
technischen Weiterbildung muss ja viel erklärt werden, und um dies optimal rüberzubringen, ist eine Power-Point-
Präsentation weniger geeignet.
Es besteht ein Trend, Arbeitsplätze in der Schweizer Maschinenindustrie ins Ausland zu verlegen. Wird
dieser Trend Ihrer Meinung nach anhalten?
Dieser Trend wird anhalten. Da gibt es verschiedene Gründe. Einerseits nimmt die Fertigungstiefe bei Maschinenfabriken
seit langem ab, weil man von Spezialisten jeweils die Fertigkeit zukauft. Der Stand der Technologie verlangt
nach modernen Infrastrukturen. Diese teuren Investitionen können jedoch nur mit zwei oder drei Schichten in einer
optimalen Zeit amortisiert werden. Dazu fehlt den Unternehmen aber das Auftragsvolumen. Andererseits hat die
Zuliefererbranche in vielen Bereichen ein sehr hohes Niveau erreicht, und zwar ist, Einzelteile und Komponenten
einzukaufen.
Ich sehe die Zukunft der Schweizer Maschinenindustrie - trotz dem heutigen Trend - eher positiv. Es muss
uns aber gelingen, das Know-how für Komplettlösungen auszubauen. Unsere Kernkompetenzen müssen sich dabei
auf komplette Produkte und komplexe Lösungen konzentrieren. Die Schweizer Technologiefirmen haben gute Chancen,
in der Globalisierung zu bestehen, wenn sie vermehrt zusammenarbeiten und ihre Kernkompetenzen auf Nischen- und
Massenprodukte sowie auf neue Produkte mit viel Technologie ausrichten, die schnell von der Käuferschicht akzeptiert
und gefragt werden. Bei Massenprodukten ist es doch heute so, dass die Lohnkosten immer mehr nur einen
kleinen Teil der Gesamtkosten darstellen. Kommt dazu, dass das benötigte Geld für Investitionen in der Schweiz im
weltweiten Vergleich günstig zur Verfügung steht.
Es gibt meiner Meinung nach noch ein weiteres Argument, das für den Standort Schweiz und deren Technologiefirmen
spricht. Nämlich: Auch bei technologisch hochstehenden Investitionsgütern werden die Produktelebenszyklen immer kürzer.
Dies verlangt nach noch mehr Engineeringleistungen. Es sind also innovative Engineeringfirmen gefragt, die neue Ideen
und Lösungen entwickeln, aber auch Technologiefirmen, die diese Ideen marktgerecht und wirtschaftlich umsetzen können. Die
Anforderungen an uns „Technofreaks“ sind vielfältig: Know-how, Innovationsfreudigkeit, Risikobereitschaft und
viel persönliches Engagement jedes Einzelnen. Dies ist mit ein Grund, dass ich auch weiterhin in der Erwachsenenbildung
tätig sein möchte, um meinen kleinen Beitrag an diese grossen Herausforderungen zu leisten.
Was machen Sie in der Freizeit am liebsten?
Skifahren ist wohl mein einziges nennenswertes Hobby. Ich bin von der Technik so „angefressen“, dass das
Engineering für mich sowohl Beruf wie auch Hobby ist.
Herr Niederberger, wir danken Ihnen für die interessanten Ausführungen.
Bruno Fumaneri, Dozent TEKO Luzern